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08.03.2022 Allgemein

Die his­torische Bausub­stanz schützen

Grüne fordern ein Ende des Demolierens alter Gebäude

Es sollte uns doch längst klar sein, dass das Gesicht einer Stadt, ihre Schönheit, wenn man so will, ganz wesentlich mit ihren historischen Gebäuden verknüpft ist. Dennoch gehen wir mit diesem architektonischen Erbe äußerst sorglos um. Die jüngere Geschichte der Entwicklung der Stadt Wels ist eine Geschichte des Demolierens und des Verschandelns vorhandener Baudenkmäler und des Nachgebens gegenüber den Begehrlichkeiten von Investoren und Spekulanten, was dem Stadtbild erheblichen Schaden zugefügt hat.

Lediglich dort, wo der Denkmalschutz seine schützende Hand über den Altbauten hält, wie etwa am Stadtplatz, findet man in Wels noch intakte Gebäudeensembles. Aber schon etwas außerhalb der Kernzone der Innenstadt zerstören Bausünden den Gesamteindruck.

Schutzmaßnahmen sind dringend notwendig

Die Liste der baulichen Schandtaten ist lang und reicht vom Abriss des Semmelturms bis zur missglückten Neugestaltung des Greif-Gebäudes. So hat die Gesichtslosigkeit unserer Stadt durch Abriss und die darauf folgende Nicht-Architektur von Neubauten erschreckend zugenommen.

Es ist also höchste Zeit, zu retten, was noch zu retten ist. Wir brauchen deshalb ganz dringend ein Instrumentarium, mit dem die Erhaltung historischer Bausubstanz auch dann sichergestellt werden kann, wenn diese nicht denkmalgeschützt ist. Es gibt inzwischen zahlreiche positive Beispiele, wie man das machen kann. So haben etwa Braunau und Freistadt Altstadtsatzungen für erhaltenswerte Stadtbilder auf der Basis des OÖ Raumordnungsgesetzes erlassen, und auch die Stadt Steyr hat eine derartige Vorgangsweise gewählt.

Antrag auf Schaffung einer Schutzzone

Wir brauchen deshalb eine Schutzzone in der Innenstadt, innerhalb derer die Zerstörung historischer Gebäude untersagt sein muss. Das muss keinen Stillstand der Bautätigkeit bedeuten, sondern es muss ein sensiblerer Umgang mit dem Vorhandenen Einzug halten. Statt Abriss Umbau und Ausbau. Selbst wenn nur noch die Fassade erhalten bleibt, ist für das Stadtbild viel erreicht.

Ein aktuelles Beispiel ist das gründerzeitliche Gebäude, in dem derzeit die BAWAG residiert. Auch hier wären die Grünen für eine Aufstockung anstelle des geplanten Abrisses. Sollte das statisch nicht möglich sein, müsste die Integration der bestehenden historischen Fassade in den Neubau den Bauherren in der Baugenehmigung verpflichtend vorgeschrieben werden.

Die Ignoranz gegenüber der historischen Bausubstanz muss endlich ein Ende haben, die Erhaltung unseres architektonischen Erbes muss zum Ziel der Stadtentwicklung werden. Denn eine Stadt, die ihre Vergangenheit missachtet, wird auch keine Zukunft haben!

Mit diesem flammenden Appell wurde im Gemeinderat für die Zustimmung zum Antrag der Grünen geworben.

Der Antrag wurde an den Bau- und Stadtentwicklungsausschuss zur weiteren Beratung verwiesen.

Walter Teubl

Gemeinderat, Fraktionsvorsitzender

walter.teubl@gruene.at
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